Maler- und Lackierer-Innung Kassel bildet künftig mit digitalem Spritzlacksimulator aus
VON NICOLE SCHIPPERS
Neuanschaffung: Luca Brunn, Auszubildender zum Maler und Lackierer im dritten Lehrjahr, führt den digitalen Spritzlacksimulator im Bildungszentrum Kassel vor. Fotos: Andreas Fischer
Kassel – Ein guter Lackauftrag ohne hässliche Lacknasen will geübt sein. Für eine schöne, glatte und haltbare Lackoberfläche auf Kotflügel, Motorhaube und Co. braucht es Gespür und Präzision. Und Erfahrung. Die können die Auszubildenden in der überbetrieblichen Werkstatt der Maler- und Lackierer-Innung Kassel im Bildungszentrum Kassel (BZ) künftig nicht nur am realen Objekt, sondern auch im virtuellen Raum sammeln.
Denn die Innung hat kürzlich einen digitalen Trainingssimulator angeschafft, an dem die rund 200 Lehrlinge der Ausbildungsberufe Maler und Lackierer sowie Fahrzeuglackierer das Lackieren in einer virtuellen Umgebung üben können.
Dazu setzen sie einfach eine VR-Brille auf und schon stehen sie in einer digitalen Lackierkabine. Dort können sie zwischen unterschiedlichen Werkstücken und Lackarten wählen. Mit einer handelsüblichen Lackierpistole tragen sie den virtuellen Lack dann etwa auf eine digitale Motorhaube auf. „Die Umgebung in der virtuellen Kabine ist sehr realitätsnah. Über die Kopfhörer hören die Auszubildenden sogar realistische Hintergrund- und Spritzpistolengeräusche“, schildert Ausbildungsleiter Marc Döring.
Zum Einsatz kommen soll der Simulator vor allem im ersten Ausbildungsjahr. So können unter anderem Materialkosten eingespart werden. Denn das Training verursacht permanent Kosten für Lack, Werkstücke, Equipment, Personal. „Für eine Motorhaube beispielsweise liegen die Kosten bei etwa 500 Euro“, erläutert Döring. Zugleich wird die Umwelt geschont, weil kein echter Lack verwendet wird. Und auch die Lackierergebnisse können stetig verbessert werden. Dazu erhebt das System den Farbverbrauch, die Lackabdeckung und Lackiergeschwindigkeit sowie den Neigungswinkel und Abstand zum Bauteil in Echtzeit und evaluiert Abweichungen vom optimalen Lackierablauf. „So lernen die Auszubildenden den richtigen Umgang mit der Lackierpistole, bevor sie in der echten Lackierkabine arbeiten.“
Für Bernd Peter Doose, Obermeister der Innung, ist die Anschaffung des digitalen Lackiersystems ein wichtiger Schritt, um in der handwerklichen Ausbildung auf der Höhe der Zeit zu bleiben. „Wir sind in der Moderne angekommen“, sagt er. „Wir erhoffen uns dadurch auch mehr Interesse an unserem Beruf.“
45?000 Euro hat der Simulator gekostet. 90 Prozent davon stammen aus dem Topf des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), das die Digitalisierung in überbetrieblichen Berufsbildungsstätten fördert. Weitere 5000 Euro muss die Innung noch investieren, bevor er zum Einsatz kommen kann. Denn jemand hat die Grafikkarte des zugehörigen Rechners entwendet. Es gibt derzeit also kein Bild. Die Innung hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet.


